Roman Bunka - Dein Kopf ist ein schlafendes Auto
Sireena Records / Broken Silence (2020)
(7 Stücke, 54:21 Minuten Spielzeit)

Anfang der 80’er-Jahre gründete Sänger, Gitarrist und Keyboarder Roman Bunka, der zuvor bei Embryo und Aera gespielt hatte, die Band Dein Kopf ist ein schlafendes Auto. Im gleichen Jahr erschien das selbst betitelte Debütalbum auf Vinyl. Weitere Musiker waren an Bass und Sitar Gerald Luciano Hartwig (ex-Karthago, ex-Guru Guru, ex-Mombasa) und an Schlagzeug und Piano Freddy Setz (ex-Missus Beastly, ex-Aera). Darüber hinaus waren noch Sun Ä Yoon & Chili Baba gesanglich beim ersten Song beteiligt. 


Die Band präsentierte eine einzigartige Mischung aus Avantgarde-Rock, Soul, Jazz und orientalischer Musik. Wohl kaum eine andere Band bot diese Vielfalt an musikalischen Zitaten, an solch atemlosen Auf und Ab’s unglaublicher Sounds und Grooves. Roman Bunka und „Dein Kopf Ist Ein Schlafendes Auto“ waren die kulturellen Botschafter dieser Zeit. Die Geschichte dieses leider kurzlebigen Projekts von Roman Bunka wurde damals gar verfilmt und kurz nach Erscheinen der Platte im ZDF ausgestrahlt.

O-Ton Roman Bunka:

Nach einer langen Tour von München nach Kalkutta und zurück (LP:Embryos Reise) und einem halben Jahr voller Konzerte mit „Aera“ (LP:Aera Live) erfüllte ich mir einen Traum, oder er erfüllte mich und meine zwei Mitmusiker, ein Trio! Das magische Trio, Gitarre, Bass, Schlagzeug! Das Dreieck, die Pyramide, nach dem „Medium-Terzett“ kam „Cream“ und die „Jimi Hendrix Experience“. Oder „Embryo“, das legendäre Trio mit Dave King am Bass, Mastermind Christian Burchard am Schlagzeug und Roman Bunka aka Namor Aknub an der Strom-Gitarre, Anfang der Siebziger. Und natürlich die ersten LP‘s von „Tony Williams Lifetime“! Die Dreifaltigkeit und der Dreiklang…..!

Mitten in der Neuen Deutschen Welle, New Wave und Punk, machten wir Musik. Es war nochmal ein Anfang, aber auch ein Ende meiner Liebe zu zerfetzten Marshall-Amps und meiner alten roten Stratocaster. Wir rollten noch einmal durch die Lande, eine LP und ein Film blieben, und einige Jüngere fingen an Gitarre zu üben, sie wollten auch so was spielen.

1982 flog ich nach Kairo und sah die eingepackten „schlafenden“ Autos, auf deren Dächern. Hunde und Katzen in der Hitze dösten, „The heat“ wurde Alltag, die arabische Laute „Oud“ mein Lieblings-Instrument, Mohamed Mounir mein Sänger und die nordafrikanischen Rhythmen und Melodien meine Wiegenlieder: „My head a parked car, I sleep in the seat, please dont wake me up, when I melt in the heat….“

Am 24.07.2020 veröffentlicht das deutsche Label Sireena Records dieses Album erstmals auf CD unter dem Namen Roman Bunke „Dein Kopf ist ein schlafendes Auto“.

Die Wiederveröffentlichung enthält die sechs Stücke des Originalalbums sowie als Bonus eine zehnminütige Liveaufnahme des Stückes „What I Can Do, You Can Do, Too/On The Corner“, wobei „On The Corner“ eine Coverversion eines Miles Davis-Stückes ist.

Gestartet wird mit dem 6:29minütigen Stück „Si Ga Ni Wa Ta“, das mit Klangtupfern beginnt, die in den Raum geworfen werden und dadurch recht schräg klingt. Das ändert sich auch nicht, sobald Schlagzeug und die anderen Instrumente einsetzen. Das hat eine Menge von Avantgarde und Jazz. Das Saxophon quietscht und Sun Ä Yoon & Chili Baba’s Gesang wirkt eher als würde sich bei einem Liveauftritt das Publikum im Hintergrund zu Wort melden. Auf eine ganz eigene Art kann dieser Sound aber trotzdem fesseln, da sich in dem instrumentalen Getümmel doch Harmonien und Melodielinien ausmachen lassen.

„No More Jogging“ nennt sich der zweite, fast fünfminütige Track. Ein Rhythmus, wie von einem Zug, eine markante Basslinie sowie schräger Gesang, verziert von elektronischen Klängen und Schlagwerk, bestimmen das Bild. Dem schließt sich das sechsminütige „Frag mich nicht ...“ das von Gerald L. Hartwig komponiert wurde und von Sitarklängen bestimmt wird, an. Damit hat dieses Stück einen asiatischen Touch. Nur Stimme und gelegentliche Percussion unterstützen die Sitar. Das Stück bricht allerdings abrupt ab.

Arabische/afrikanische Percussion und die Oud wurden dem Stück „The Heat“ unterlegt. Auch sorgen Klatschen und Pfeifen für zusätzliches ethnisches Feeling. Es folgen mit „Glowin’“ und „Heartbeat“ noch zwei Longtracks, die es jeweils auf mehr als zehn Minuten bringen. „Glowin’“ strahlt durch seine Instrumentierung auch ein ethnisches Feeling aus, während sich der Song im weiteren Verlauf zu einem, treibenden Rocksong wandelt. „Heartbeat“ ist ein Rocksong der den Spirit der späten 60’er, frühen 70’er atmet (Jimi Hendrix lässt unter anderem grüßen).

Als Bonus gibt es dann eine Liveaufnahme, die 1980 bei einem Auftritt im Milbertshofener Zentrum in München entstanden ist. Hier geht die Band gar recht funkig zu Werke. Im Mittelteil wird dann ein Skatgesang angeschlagen, während der Miles Davis-Teil sehr jazzige und ekstatische Momente hinzufügt.

Auf dem Roman Bunka-Album „Dein Kopf ist ein schlafendes Auto“ finden sich - entsprechend dem ungewöhnlichen Albumtitel und damaligen Bandnamen - recht außergewöhnliche Klänge, die eine Mischung aus Avantgarde-Rock, Soul bzw. Funk, Jazz und orientalischer Musik darstellt. Hier sollte man zunächst erst einmal Probehören, da die Musik nicht einfach zu konsumieren ist.

Stephan Schelle, Juli 2020

   

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