![]() |
Polis - Pilger Sechs Jahre nach dem letzten Studioalbum „Weltklang” und drei Jahre nach ihrem hervorragenden Livealbum „Unterwegs I” legt die aus Sachsen stammende Band Polis nun endlich ihr viertes Studioalbum vor, das den Titel „Pilger” trägt. Einhergehend hat ein Wechsel beim Label stattgefunden. Die Band hat von Progressive Promotion Records zum Label Sireena Records gewechselt. Im LineUp gab es aber zum Glück keinen Wechsel. Und auch die Aufmachung der CD-Version, die mir vorlag, schließt direkt an ihre Vorgänger an. |
|||
Schon ihr 2020’er Album „Weltklang” zog mich sofort in ihren Bann. Das lag zum einen an dem symphonischen, proggigen Sound und der außergewöhnlichen Gesangsform von Christian Roscher, der die poetischen Texte in einer entsprechenden Form darbietet. Und das macht er auch auf dem neuen Album „Pilger”. Das Label beschreibt in seinem Pressetext ihre Musik als würden Novalis auf Stern Combo Meißen treffen. Und damit liegen sie nicht ganz verkehrt, denn die poetischen Texte und die Musik mit ihren symphonischen Elementen weisen in Richtung der frühen Alben von Novalis und Stern Combo Meißen. Aber nur darauf sind Polis nicht zu reduzieren, denn sie bieten weit mehr. Auf dem neuen Album sind jetzt auch einige härtere Passagen auszumachen. Das zeigt wie sich die Band, trotz Beibehaltung ihres eigenen Stils, weiterentwickelt hat. Zwei der auf dem Album enthaltenen Stücke („Das erste Leuchtfeuer” und „Die Einsamkeit”), waren auch schon vor einigen Jahren im Liveprogramm integriert und wurden bereits auf ihrem Livealbum „Unterwegs I” veröffentlicht. Das Album startet zunächst mit dem Stück „Der Kreis”. Es beginnt mit Geräuschen die an den Start eines Filmprojektors erinnern. Dann setzt eine Akustikgitarre ein, die von Orgelklängen begleitet wird. Das sorgt schon für Gänsehaut. Dann zündet die Band nach ca. einer Minute den Rockmodus. Treibende Rhythmusgitarre und Orgelkaskaden (klingt manchmal nach Jon Lord, Ken Hensley & Co.) sorgen sowohl für Retrofeeling wie auch für poetischen Rock. Ein unglaublicher Opener, der sofort gefangen nimmt. „Der Berg” ist der symphonischste Titel des Albums, da hier auch die Streicher/innen den Song auf eine höhere Ebene heben. Ein wunderbarer Song, der sehr besinnlich und nachdenklich aus den Boxen kommt. Danach kommt mit dem mehr als neunminütigen „Die Einsamkeit” der erste Longtrack des Albums. Das Stück eröffnet mit flirrenden Keyboards und einem markanten Bass. Dann setzt Christian Roschers Stimme ein und es entwickelt sich eine poetische Stimmung, die von härteren Gitarren konterkariert wird. Das stellt einen Gegenpol zu den sanften Klängen dar. Auch Schlagwerk und Akustikgitarre sorgen für atmosphärische Akzente. Darüber hinaus sind Marius Leichts Orgelkaskaden und Christoph Kästners Gitarreneinschübe einfach unwiderstehlich. Elektronisch beginnt dann auch „Das erste Leuchtfeuer”. Der Song wird aber von einem druckvollen Mix aus Bass und Schlagwerk vorangetrieben. Ein intensives Stück. Dem stellen sie dann das mit Akustikgitarre beginnende und mit zartem Gesang versehene „Weltenwinter” gegenüber. Das besitzt auch eine Spur von Folk. Ein sehr intimes Stück. Das Titelstück „Pilger”, das mehr als zehn Minuten lang ist, geht dann wieder eine Spur härter zur Sache. Zu Beginn sind dann einige Gitarrenparts zu hören, die an Yes erinnern, aber eine Spur härter ausfallen. Ein klasse Longtrack, der im Mittelteil einen ausufernden, mitreißenden Instrumentalpart hat. Was für ein Track! Das nicht ganz zweiminütige „Reprise”, in dem die Band noch einmal den Song „Der Kreis“ aufnimmt, allerdings in einer zeitlupenartigen und symphonischen Form, beendet dann das Album. Polis ist eine beeindruckende Band aus Sachsen. Schon ihre ersten Alben haben mich geflasht. Jetzt im Mai 2026 also ihr lang erwartetes vierte Studioalbum mit dem Titel „Pilger“. Und auf diesem brennen die Sachsen ein wahres Feuerwerk an deutschsprachiger, poetischer Rockmusik ab. Sie haben ihren Standard der Vorgängeralben locker gehalten und sich um leicht härtere Passagen weiterentwickelt. Die Band gehört für mich zu den Topadressen des deutschen Artrock. Stephan Schelle, Mai 2026 |
||||