Melanie - Lieblingsstücke
Melanie Age Music / Eigenvertrieb (2024)

(17 Stücke, 73:15 Minuten Spielzeit)

Ich habe die sympathische und selbstbewusste Melanie Age, von ihren Eltern nach der bekannten US-Sängerin und Woodstock-Ikone Melanie Safka (23. Januar 2024 verstorben) benannt, beim letztjährigen Blues Camp 2023 in Göhren auf Rügen kennengelernt. Dort war sie Teilnehmerin an verschiedenen Projekten, ist sogar mit einer eigens für den Auftritt im Blues Camp zusammengestellten, mehrköpfigen Band fulminant aufgetreten und hat dabei im Sonnenuntergang für viele überraschende musikalische Momente gesorgt.


Sie erzählte mir dort im Regenbogen Camp, dass sie als Solo-Künstlerin gerade über 14 Monate in ihrem 10 m² kleinen Heimstudio an dem Vinyl-Album „Lieblingsstücke“ (2024) in einmaliger Unikat-Auflage gearbeitet hat. Eine echte Herzensangelegenheit wie sie mir sagte, als Geschenk für ihren Vater, Vinyl-Sammler und Musikfan, zum sechzigsten Geburtstag. Wieder so eine fleißige Künstlerin und eine Geschichte die mich erneut mitnimmt, die erzählt werden muss. Mit gerade mal 5 Jahren machte sie ihre ersten gesanglichen Gehversuche und begann früh auch mit dem Gitarrenspiel. Mit dem in ihr so stark entfachten Feuer, gefördert durch ihre Eltern, brannte sie von nun an für die Leidenschaft der Musik, die sie im weiteren Prozess schnell ins Rampenlicht der Bühnen und auch in die urbanen Straßen führte, um also immer sehr nah an den Menschen zu sein.

Die Lieder, die sie wie treue Weggefährten im Herzen trägt, möchte sie mit anderen teilen. Das hat sie nach einem langen und arbeitsreichen Prozess mit „Lieblingsstücke“ geschafft. In den letzten 15 Jahren ist Melanie Age auch Frontsängerin und Gitarristin verschiedenster Bandformationen, hat bei zahlreichen Projekten mitgewirkt und hat seit 2011 als Solistin immer wieder Lieder produziert und in Bild und Ton veröffentlicht. Nun hat sie die Songs, die sie schon so lange auf ihrem musikalischen Weg begleiten, auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Das Album „Lieblingsstücke“, im wunderbar auch von Melanie gestalteten Digipak (inklusive Aufkleber, Bierdeckel, Visitenkarte, 8-seitigem Büchlein), ist nun ab Januar 2024 auch als CD verfügbar und kann bei der talentierten Multi-Instrumentalistin Melanie Age direkt bezogen werden. Sehr schwer vorstellbar ist (auch für mich), dass Melanie all ihre Instrumente vom Shaker über die E-Gitarren, Banjo und Bass, von der Konzert-Gitarre bis hin zum Piano, so auch alle Gesangsteile bis hin zu Schlagzeug und Perkussion selbst aufgenommen, arrangiert, gemischt, gemastert und produziert hat. Blas- und Streichinstrumente sowie die nostalgische Orgel sind, wie sie sagt, über ein modernes E-Piano eingespielt worden.

Das Album „Lieblingsstücke“ bekommt man beim Kauf des physikalischen Tonträgers mittels eines Code zum Herunterladen auch digital als MP3-Bonus für mobile Geräte und PC obendrauf. Tolle Idee, die auch schon Melanie Mau & Martin Schnella mit dem aktuellen Werk „The Rainbow Tree“ als limitierte Edition hatten und das eine moderne zeitgemäße Form ist, das Material direkt, schnell und kostensparend digital an die musikhungrigen Fans zu bekommen.

Melanie Age: „Das Album „Lieblingsstücke“ basiert auf 17 Songs, die alle ihre Geschichten erzählen und die schon in meiner frühen Kindheit ein Teil von mir geworden sind. Die Lieder von Janis Joplin, Neil Young, Eva Cassidy und Melanie Safka bis hin zu Bob Dylan, Gundermann und Monokel sind mit sehr viel Herzblut und Leidenschaft in meinem Heimstudio in Eigenregie entstanden. Die Entstehungsgeschichte hinter diesem Album ist sehr persönlich und ich freue mich sehr, meine Lieder nun auch mit euch teilen zu können.“ All die zeitraubende Arbeit hat sich wirklich gelohnt und Melanie’s persönliche Handschrift ist deutlich und sehr signifikant sichtbar geworden. Für mich eine Zeitreise in meine Jugend.

Siebzehn wunderschöne Lieder, in ganz eigener Art und Weise interpretiert, mit absoluter Gänsehaut-Garantie. Auch vor der Gesangskür Acapella scheut die 1989 im thüringischen Gera geborene Melanie Age nicht zurück. Das 73-minütige Album „Lieblingsstücke“ läuft in durchgängig hoher Qualität nahtlos und kurzweilig durch, man wird immer wieder mit schönen Melodietupfern überrascht. „Wie, schon wieder durchgelaufen, gleich noch einmal den Startknopf drücken.“ So ging es mir kürzlich bei meiner An- und Abreise zum Auftritt vom Blues-Duo Alexander & Maximilian Blume im Brauhaus Rütershoff in Castrop-Rauxel. Alles ist bei diesen siebzehn Liedern professionell instrumentiert und exzellent produziert. Melanie’s nuancierter Gesang und auch die vermeintlichen Gast-Stimmen sind optimal eingebettet in eine breit gestreute, gute Instrumentierung und damit bekommen die bekannten Lieder einen absolut stimmigen und eigenständigen Charakter. Und wer nun denkt das Melanie Age viele Helfer hatte, wie gesagt, weit gefehlt, alles im Alleingang eingespielt und eingesungen. Und was steht auf dem beiliegenden runden Aufkleber sowie auch Bierdeckel: Ein Koffer voller Liedgut. Handgemacht. Echt und Ehrlich. Chapeau, besser hätte ich es nicht zusammenfassen können !!

Und nun packen wir mal den Koffer voller Liedgut aus. Neil Young ist mit den drei bekannten Titeln „Cortez The Killer“, „Harvest“ und „After The Gold Rush“ vertreten und ehrlich gesagt vermisst man dessen knarzige Stimme überhaupt nicht. Auch nicht bei den ebenso drei zeitlosen Liedern „Times They Are A-Changin“, „Blowin' In The Wind“ und „Mr. Tambourine Man“ von High-Folks Bob Dylan. Nicht nur diese drei plus drei Lieder wirken in Melanie Age’s instrumentalen Gewand, passenden Arrangements und Vokalteilen wie eigenständige Lieder, natürlich mit den allgemein bekannten Grundmelodien und Texten. Alle englischen Texte findet man ins Deutsche übersetzt im beigefügten 8-seitigen Booklet. Es gibt auch alle Informationen zu den originalen Komponisten und das jeweilige Erscheinungsjahr. Die innere Doppelseite ist eine Foto-Collage aus Dutzenden von Melanie Age’s visuellen Lieblingsstücken.

Aber zurück zu den echten handgemachten, ehrlichen Liedern. Schon nach dem Start aus der Boxengasse mit „Cortez The Killer“, der typische Gitarrenklang von Neil gut getroffen, wird man durch Aufbau und Ablauf des 6-minütigen Liedes im wahrsten Sinne des Wortes elektrisiert. Und das Niveau wird über das die gesamte Spielzeit gehalten. Und auch die nur für echt gute Vokallisten zu überspringende sehr schwierige Hürde Acapella zu singen meistert Melanie Age bei „Mercedes Benz“ (Janis Joplin) oder bei vielen spärlich instrumentierten Passagen mit Bravour. Hört euch „Find The Cost Of Freedom“ (Stephen Stills) an, eine großartige Interpretation dieses Songs, der getragen von Melanie’s mehrstimmigen Gesang eine unfassbar emotionaler Dichte bekommt, sodass es einem dabei regelrecht über den Rücken rieselt.

Auch sehr beeindruckend, mit „Der Schreier“ von der Monokel Blues Band aus Berlin, „Keine Zeit Mehr“ und zum Abschluss ihres Albums „Vater“ (Musik Tori Amos) vom Thüringer Lieder-Poet Gerhard Gundermann (Text), verbeugt sich diese wunderbare Künstlerin würdig vor zwei ostdeutschen Urgesteinen und ihrem Vater. Man fragt sich, warum hat sich diese talentierte junge Frau aus der kreativen Dresdener Szene nicht schon etwas früher als Solistin aus dem musikalischen Dickicht getraut. Hat sie ja zuletzt auch mit der Band Tempus, hier an der Seite von vier Männern, die ihrem Repertoire aus Cover-Rocksongs zu unterschiedlichsten Anlässen ein authentisches und zeitgemäßes Eigenleben einhauchen. Aber nun hat sie doch ihr solistisches vollwertiges Meisterstück „Lieblingsstücke“ in die breitere öffentliche Musik-Welt gebracht und ich hoffe für Melanie, dass viele Menschen davon Kenntnis nehmen.

Melanie Age singt über das was sie bewegt und in ihr schwingt, unbedingt raus will und das habe ich gespürt, im Blues Camp in Göhren und beim mehrfachen Hören ihrer siebzehn „Lieblingsstücke“. Und das ist das besondere an ihren Liedern, was den kleinen Unterschied zu anderen Interpreten ausmacht, die Ähnliches produzieren. Melanie: „Aus fremden Stücken mache ich mein eigenes Ding, verleihe den Songs einen ganz eigenen Charakter, gebe ihnen die Seele, die sie aus meiner Sicht brauchen.“ Das merkt man diesem Werk in Gesamtheit an, dass es eine Herzensangelegenheit für Melanie Age war. Sie hat diese sehr informativ und ansprechend verpackten sowie mit vielen Beigaben versehenen 17 zeitlos wirkenden Lieder mit viel Hingabe eingespielt, produziert und der Welt geschenkt. Auch die Titelfolge ist gut ausbalanciert und unterstreicht damit dieses Gesamtbild. Melanie dazu: „Ganz oder gar nicht, keine halben Sachen.“ Was bleibt nun noch ?? Dass diese schönen Lieder es schaffen viele Menschen zu erreichen. Ich drücke meine Daumen dafür und helfe mit, dass viele Menschen Melanie’s loderndes Feuer wahrnehmen werden und sich von Ihrer Musik begeistern lassen.

Roland A. Koch, März  2024

   

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