Däcker & Skoulaman- Saudade
 

Däcker & Skoulaman- Saudade
Deserted Island Music (2025)
(5 Stücke, 78:31 Minuten Spielzeit)

Die niederländischen Elektronikmusiker Peter Dekker aka Däcker und Hans van Kroonenburg aka Skoulaman haben in 2025 ein gemeinsames Album veröffentlicht. Es trägt den Titel „Saudade“ und wurde bei der Schallwelle-Preisverleihung am 21.02.2026 in der Kategorie „Bestes Album international“ nominiert, was bedeutet, dass das Album es unter die besten fünf Alben des Jahres 2025 geschafft hat.

 


Die CD-Version ist in einem vierseitigen Papersleeve erschienen. Zur Entstehung des Albums ist im Innenteil zu lesen:

Däcker fragte, ob jemand sein CS-60 nach der Reparatur abholen könne. Skoulaman meldete sich freiwillig, und als das CS-60 in Däckers Studio zurückgebracht wurde, probierte er es aus und war sofort begeistert. Was für ein unglaublicher Sound!

Däcker und Skoulaman hatten bereits einmal zusammen gejammt und festgestellt, dass sie einen ähnlichen Ansatz bei der Erstellung elektronischer Musik hatten und beide die Musik von Vangelis liebten.

So entstand die Idee, gemeinsam Musik mit dem CS-60 zu machen. Dies gipfelte in drei Tagen voller Aufnahmesessions, und was Sie auf diesem Album hören, ist eine Auswahl der besten Teile dieser Sessions.

Es geht mit dem 24minütigen „Commuovere“ los. Hier startet das Duo mit hellen Synthesizerklängen, die dann leicht verzerrt werden. Nach wenigen Augenblicken kommen herrliche Synthesizerflächen auf, die harmonisch den Raum füllen. Es folgen einige zarte Harmonien, die mit Klangtupfern versehen sind und ein wenig den Spirit von Vangelis atmen. Das dauert aber nicht lange und weite Flächen ergänzen diese herrliche Atmosphäre. Nach ca. sieben Minuten kommt dann ein Sequenzerrhythmus dazu und es entwickelt sich langsam ein rhythmischer Track, der mit Harmonien umgarnt wird. Im Verlauf steigert sich die Dynamik und eine Melodielinie wird dem Ganzen spendiert. Das hat auch was von „Berliner Schule“. Ein sehr schönes Stück.

„Yuanfen“ bringt es dann auf gut 21 Minuten Spielzeit. Ein Rhythmus sowie flächige Klänge ziehen zunächst durch den Raum. Nach ca. zwei Minuten geht es dann wieder so in Richtung „Berliner Schule“, besitzt aber eine eigene Handschrift. Der Rhythmus tuckert so ein wenig dahin und wird von eingängige Harmonien begleitet. So mäandern die Harmonien, Rhythmen und Klänge, ohne dass man sich dieser Atmosphäre entziehen kann.

„Saudade“ ist mit knapp acht Minuten das kürzeste Stück des Albums. Hier perlen zunächst auf flächig/rauschenden Klängen die Synthesizer. Eine sehr schöne, beruhigende Atmosphäre wird so erzeugt. Langsam entwickelt sich eine zarte Melodielinie, bei der man sich in einer wohligen Stimmung eine Landschaft mit einem Fluss im Sonnenschein vorstellen kann.

Das gut 15minütige „Hiraeth“ beginnt mit flirrenden Synthies und legt dann aber sofort mit einer Art rhythmischen Melodielinie los. Diese verfestigt sich nach etwas mehr als einer Minute. Auch hier erzeugen die beiden eine wunderbare Atmosphäre, die hypnotisch wirkt. Im Mittelteil wird dann die Dynamik angezogen.

Den Abschluss bildet das fast elfminütige „Ya'aburnee“. In diesem Stück wird der Sequenzer sofort angeschmissen, denn es pulsiert von Beginn an. Darauf setzen die Beiden Synthesizerchöre. Ein sehr rhythmischer Track, der sich dann im zweiten Teil etwas ruhiger zeigt. Hier herrschen wieder Klänge vor, die ein wenig an Vangelis' „Blade Runner“ erinnern.

Es ist erstaunlich, was für Musik durch eine Session, die eigentlich aus einer Reparatur eines CS-60 resultiert, entstehen kann. Däcker und Skoulaman haben mal eben fünf Stücke erstellt, die eine hohe Spannungsdichte haben und sich teils im Umfeld der „Berliner Schule“ und auch dem Sound von Vangelis bewegen. Ein klasse Album, das danach schreit, die Kollaboration weiterzuführen.

Stephan Schelle, März 2026

 
   

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